Die Stadtkirche trug ursprünglich die Namen „Marienkirche“ und „Jokokuskirche“. Die Kirche wurde in den vergangenen sieben Jahrhunderten immer wieder erneuert und bis in unsere Zeit erhalten. Die wichtigsten Abschnitte der Baugeschichte kann man beim Blick auf das äußere Erscheinungsbild der Kirche gut erkennen: Der gedrungene Turm, der hohe Chor und das lange, niedrige Schiff stehen in einer deutlichen Spannung zueinander und bilden doch ein gewachsenes Gesamtbauwerk.
Den ältesten Teil bildet der 36 m hohe romanische Turm. Er wurde kurz nach 1200 erbaut. Einige Schießscharten und eine Türe mit Rundbogen
6 Meter über dem Boden, die nur mit einer Leiter erreicht werden konnte, weisen darauf hin, dass er nahe bei der Stadtmauer in die Befestigung des Bergwerkstädtchens einbezogen war. Das gotische Tor zu ebener Erde wurde erst Jahrhunderte später in den Turm gebrochen.
Anlässlich dieser Erneuerung schuf der heimische Bildhauer Albert Volz aus Altbulach (gest. 1994) den eindrucksvollen Altar. Die Engelwesen an seinen vier Ecken mit ihren himmlisch verklärten Gesichtern bilden einen krassen Gegensatz zu den verzerrten und verdrücken Köpfen, die als Konsolen das Chorgewölbe tragen müssen. Sie stellen böse Laster wie Neid, Hass und Eitelkeit dar.
Die guten Mächte, als Engelwesen dargestellt, welche vom Ort des Heiligen Abendmahls, vom Gebet und Gotteswort, vom ganzen gottesdienstlichen Geschehen am Altar ausgehen, besiegen die bösen Mächte und befreien uns von ihrem Bann. Das wird hier augenscheinlich verkündigt.
Die einmalig schönen Kreuzblumen auf den Strebepfeilern des Chors, die im Lauf von 500 Jahren und besonders in unserer Zeit unter den Umwelteinflüssen gelitten haben, wurden vor 30 Jahren bei einer Außenerneuerung restauriert. Zwei gut erhaltene Originale haben an geschütztem Platz unter der Empore im Innern der Kirche einen neuen Platz gefunden.
Grabplatten an der südlichen Wand des Chors weisen darauf hin, dass Bulach 400 Jahre lang Erbpfarrei der „Kirchherren“-Familie Grückler war. Von 1360 bis 1790 kamen alle Pfarrer aus dieser Familie, die zuerst in Effringen ansässig war und später nach Neubulach umzog, aber weiter auch für Effringen und andere Gemeinden der Umgebung zuständig blieb.Die Grückler müssen ein sehr kunstsinniges und wohlhabendes Geschlecht gewesen sein. Das beweist auch die Effringer Kirche, die manchmal „schönste Dorfkirche von Württemberg“ genannt wird. Die Grabplatten der Grückler-Pfarrer zeigen unter anderem das Wappen mit den gekreuzten Hämmern. Sie hatten also auch Anteil am Silberbergwerk, dem Bulach seine Entstehung verdankt.
Vor den Augen der Gemeinde steht das eindrucksvolle Altarkruzifix. Laut einer Inschrift wurde es 1648 von einer „Eleonora Gricklerin“, vielleicht der Frau oder Tochter eines Pfarrers aus dem Geschlecht der Grückler, gestiftet. 1648 war das Ende des 30-jährigen Krieges. Ob dieses Kreuz ein Dankeszeichen war? Hinter dem Kruzifix erscheint auf einem Gedächtnisfenster für die Gefallenen des Weltkriegs das Bild des auferstandenen Herrn Jesus Christus. Das Farbfenster stammt aus den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Beides gehört zusammen: der Gekreuzigte und Auferstandene. Weil er durch sein Wort und seinen Geist in allen Generationen gegenwärtig war, lebt die Gemeinde auch heute.