Bergwochenende 14. bis 16. September 2018

Am frühen Freitagmorgen um 6:15 Uhr trafen sich 14 motivierte Männer aus unserer Kirchengemeinde und Umgebung zum Männervesper „on Tour 2018“. Die frühe Abfahrt bewährte sich, denn wir fuhren nahezu Stau frei durch den beginnenden Berufsverkehr auf den Autobahnen mit dem Ziel Kleinwalsertal. Deshalb belohnten wir uns mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück in der Raststätte „Allgäuer Tor“. Leider setzte mit Erreichen des Kleinwalsertals Nieselregen ein. Wir fuhren unser Standquartier in Riezlern, das „Schwäbisch Gmünder Haus“, an und beratschlagten, welche Touren bei diesem Wetter möglich wären. Wir hatten ja die „WalserCard“ inklusive. Mit dieser sind alle Buslinien und Bergbahnen frei nutzbar. Dank moderner Informationstechnik wurde klar, dass die Regenfront bald durchgezogen sein würde und deshalb das ursprüngliche Ziel, der Hohe Ifen, durchaus erreichbar sei. Zumal es ja auch Einkehrmöglichkeiten gäbe...

 

Und tatsächlich: Bis wir an der Talstation der nagelneuen Ifenbahn ankamen hatte der Nieselregen aufgehört. Gerne nahmen wir die Aufstiegshilfe auf 1573 m in Anspruch. Die Wolkendecke riss sogar immer wieder auf und so erreichten alle gegen 13 Uhr den Gipfel des Hohen Ifen (2230 m) zum Teil Schweiß gebadet. Es war ein imposantes Bild, wie immer wieder Wolkenschwaden um und über den Gipfel trieben und den Blick auf die im Tal liegende Schwarzwasser Hütte freigaben. Diese wurde dann schnell als nächstes Ziel ausgemacht – zumal bekannt wurde, dass es dort einen hervorragenden Apfelstrudel gäbe. Der schwierige Abstieg über die Südflanke und die Wanderung über das hügelige Hochtal zog sich erwartungsgemäß in die Länge. Nach einem kurzen Apfelstrudel-Aufenthalt auf der Hütte erreichten wir nach immerhin 6 Stunden Gehzeit kurz nach 18 Uhr unser Quartier. Dort erwartete uns schon Andreas Rominger (unser früherer Stadtpfarrer), der freitags Dienst als Militärseelsorger in Sonthofen hatte. Als erfahrener Alpinist hatte er sich bereiterklärt, die Touren am Samstag und Sonntag zu führen.

Frau Kleemann, unsere Hauswirtin, hatte sich auf unsere leichte Verspätung eingestellt und servierte ein hervorragendes Abendessen samt Nachtisch. Den Abend widmeten wir unserem lieben Freund und Bergkameraden Wolfgang, der die Woche zuvor plötzlich verstorben war. Er wäre auch dieses Jahr wieder dabei gewesen und fehlte in unserer Mitte. Durch seinen Tod gewann das Bibelwort aus Psalm 23, unter dem unser Bergwochenende stand, eine ganz neue Bedeutung: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“.

Am nächsten Morgen starteten wir nach guter Stärkung am reichhaltigen Frühstückbüfett im leichten Nieselregen mit dem Bus in Richtung Baad. Die Umrundung des Widdersteins war unser Ziel. Am Eingang zum wildromantischen Gemsteltal gab Thomas Braun noch einen bewegenden und ganz persönlichen Impuls zu der Aussage „mir wird nichts mangeln“. Danach wanderten wir durch das wunderschöne Tal und stiegen nach der Hinteren Gemstelalpe (1321 m) zur Widdersteinhütte (2010 m) hinauf. Dort angekommen, stärkte man sich am Kiosk und genoss die Sonne, die nun immer öfter mit ihren wärmenden Strahlen die Nebelschwaden durchdrang. Drei Unentwegte beschlossen, den Gipfel des Widdersteins (2533 m) zu erklimmen und gönnten sich vor dem „gut-2-Stunden-Abstecher“ nur eine kurze Mittagspause. Der Rest der Truppe machte es sich in den Liegestühlen und rund um die Hütte bequem und erlebte eine „chillige“ Mittagspause. Auch das ist Männervesper-Bergwochenende! Bevor man zu träge wurde setzten wir die Umrundung fort. Imposant, wie wir immer wieder vom Nebel umhüllt wurden der über den Hochtannbergpass trieb. Der Abstieg durchs Bärgunttal zog sich in die Länge; und so war man froh, die „Bärgunthütte“ zu erreichen. Denn an dem selbstgebackenen Kuchen und dem Strudel von Wirtin Sabine kommt keiner vorbei. Wir wollten gerade aufbrechen, als uns auch die drei Gipfelstürmer einholten. So schaffte man gemeinsam das letzte Stück auf einem Güterweg zur Bushaltestelle am Talende in Baad. Im Schwäbisch Gmünder Haus wartete schon der Hauswirt mit reichlich Grillgut auf uns. Dazu gab es leckere Beilagen, Soßen und Salate und natürlich: köstlichen Nachtisch. Wer da nicht satt wurde war selber schuld…

 

Für den Sonntag war schönes Wetter vorausgesagt. Ideal um die geplante „Drei-Gipfel-Tour“ durchzuführen. Und so gab Andi noch eine Einweisung für die Gipfelstürmer ins Anlegen und Benützen der Klettersets, die für die Tour benötigt wurden. Danach wurde es gemütlich. Noch lange saß man bei Bier und Wein an den Tischen zusammen, tauschte sich aus und diskutierte über Gott und die Welt oder spielte Karten – und für Wolfgang brannte eine Kerze.

Am Sonntagmorgen erstrahlten Widderstein und Hoher Ifen im frühen Sonnenlicht; und so fiel das zeitige Aufstehen leicht und es reichte um, wie geplant, mit den ersten Gondeln hinauf zur Kanzelwand-Bergstation (1968 m) zu fahren. Von dort genoss man zunächst die tolle Aussicht ins Alpenvorland dessen Täler und Ortschaften noch durch ein Nebelmeer verhüllt waren. Wir ließen den Gipfel der Kanzelwand links liegen und stiegen alle zusammen in die Gratwanderung mit Ziel „Walser Hammerspitze“ ein. Der Bergpfad hatte immer wieder ziemlich ausgesetzte Stellen, so dass Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt waren. An einem etwas breiteren Grat machten wir Halt und in einer wirklichen Bergandacht, Andacht am Berg, legte uns Andi Rominger Teile des Psalm 23 aus. Ganz anders wog dieser Psalm unter traurigen Todesnachricht – und doch auch sehr tröstend und hoffnungsvoll. Zum Singen war uns dieses Jahr dennoch nicht zu Mute. Gegen 10:30 Uhr erreichten wir die Walser Hammerspitze (2170 m). Nach kurzer Gipfelrast teilte sich die Gruppe. Sechs „Gipfelstürmer“ zogen mit Seil und Kletterzeug weiter Richtung Hochgehrenspitze (2251 m) und Oberstdorfer Hammerspitze (2260 m). Sie suchten und fanden die Herausforderung am Berg mit dem Ziel „Fiderepass-Hütte, 2067 m“. Die anderen zogen eine schöne Bergwanderung vor und wanderten nach dem Abstieg von der Hammerspitze gemütlich über die Innere Kuhgehrenalpe zurück zur Bergstation. Dabei nahmen die meisten noch die Kuhgehrenspitze (1910 m) und den am Vormittag ausgelassenen Gipfel der Kanzelwand (2058 m) mit – und hatten so auch noch ihre „Drei-Gipfel-Tour“. Danach machte man es sich an der Bergstation gemütlich und wartete auf die Gipfelstürmer. Die ließen jedoch lange auf sich warten und erreichten nach einem 2-stündigen Eilmarsch äußerst knapp vor der letzten Talfahrt die Kanzelwandbahn. Es reichte gerade noch für ein „Sturzbier“ und mit den letzten Gondeln fuhren alle zusammen talwärts. Danach hieß es Abschied nehmen.

Auf der Heimfahrt fuhren wir von Stau zu Stau durch den sonntäglichen Rückreiseverkehr und trafen erst gegen 22 Uhr, aber Gott sei Dank wohlbehalten, in Neubulach ein.

Ich bin überzeugt, dass auch dieses Jahr wieder das Motto von Männervesper on Tour: „Gottes Schöpfung bestaunen, die Seele baumeln lassen, den Körper und seine Grenzen erfahren, miteinander ins Gespräch kommen und natürlich: gemütliches Zusammensein unter Männern“ voll erreicht wurde. So Gott will und wir leben werden wir nächstes Jahr wieder unter demselben Motto losziehen.

Text: Hermann Rentschler
Bilder: Thomas Braun und Alfred Hartmann