Blickwechsel "Erfolgreich scheitern"

Im Rahmen der ev. Erwachsenenbildung werden drei Vortragsabende angeboten.
Beginn jeweils um 19:30 Uhr im ev. Gemeindehaus.

Termine:

  • Donnerstag, 20. Februar 2020
    Kain und Abel (1. Mose 4,1-16):
    Von Glückspilzen und Pechvögeln
    mit Prof. Dr. Siegfried Zimmer
  • Dienstag, 3. März 2020
    Erfolgreich scheitern vor Gott:
    Wenn der leistungsorientierte Mensch und Gott sich begegnen
    mit Prof. Dr. Peter Wick
  • Donnerstag, 2. April 2020
    Die Kunst des Verzeihens:
    etwas vom Wichtigsten, etwas vom Schwersten
    mit Dr. Beate Weingardt 

Weitere Informationen

Von Glückspilzen und Pechvögeln

Ein Blickwechsel-Vortrag mit Prof. Dr. Siegfried Zimmer über Kain und Abel

Am 20.02.2020 hatten Interessierte die Möglichkeit, bisher unbekannte Aspekte der altbekannten Erzählung von Kain und Abel zu erfahren.

Kain und Abel gehört zu den urgeschichtlichen Erzählungen von der Schöpfung bis zur Sintflut, in denen Urthemen der Menschheit behandelt werden, die immer aktuell bleiben.

Eigentlich müsste sie "Gott und Kain" heißen, denn das Entscheidende ereignet sich zwischen diesen beiden. Wie manches mal konfrontiert uns Gott mit einer ungerechten Situation, der wir keinerlei Sinn abgewinnen können: Gott nimmt die Gabe (die Lebensleistung) des einen Bruders an und die des anderen missachtet er. Gott wirkt willkürlich und es bleibt verborgen, welche Gründe er dafür hat. Die Schreiber des Textes lösen diese Spannung bewusst nicht auf. Das heißt für uns: es geht ihnen um etwas anderes, nämlich um die Frage: Wie geht Kain mit dieser Brüskierung um?

Seine Reaktion ist nachvollziehbar und menschlich: "Es entbrannte in ihm", weil er nicht wertgeschätzt wird. Dieses zentrale Thema: "Ich bekomme nicht die Anerkennung die mir zusteht und die ich brauche", geht alle an. Gott zeigt uns in diesem Text auf, wie wir mit Kränkungen fertig werden und unbelastet weiterleben können:

"Kains Blick senkte sich": er verschließt sich, verbarrikadiert sich, verbittert. Das nimmt Gott nun sehr wohl wahr und noch vor Kains Bluttat bemüht sich Gott um Kain: "Warum senkst du deinen Blick?" Ist das die einzige Möglichkeit, mit der Kränkung umzugehen? "Wenn Du Gutes tust, kannst Du frei aufblicken". Gott will Kain coachen. Er soll ungetrübte Begegnungen haben und erhobenen Hauptes weitergehen. Gutes tun, sobald es sich ergibt, ist ein Schutz vor Verbitterung, Einigelung und Hass.

Kain aber bleibt verschlossen, lässt sich von der Kränkung bestimmen und erschlägt seinen Bruder. Das wird so lapidar geschildert, dass klar wird, dass keiner von uns weit weg davon ist, zum Mörder zu werden. Nun stellt Gott Kain zur Rede und lässt ihn und uns wissen, dass das Blut der Ermordeten zu ihm schreit. Gott hört die Schreie aller Ermordeten!

Was wird nun aus Kain? Gott konfrontiert ihn mit den Folgen seiner Tat: wegen ihr wird er unstet und flüchtig sein, vogelfrei für alle, die ihn finden. Das ist nicht als Strafe zu verstehen, sondern als Konsequenz dessen, dass er sich selbst aus der Gemeinschaft ausgestoßen hat. Nun erkennt Kain die Größe seiner Schuld und Gott lässt sich von seiner Erschütterung erbarmen: Kain erhält ein Schutzzeichen, dass niemand ihn erschlagen darf. Jetzt kann er seine Schuld anschauen. Gott will das Leben und auch Mörder schützen. Er eröffnet ihnen eine neue Perspektive und spricht ihnen Würde zu.

Dies soll jeder wissen, der vor einem Scherbenhaufen steht: Gott sieht ihn, steht für ihn ein und ist sein Schutz. Auch für ihn wird es eine Perspektive geben über Bitten und Verstehen.

Anne Merkle