Bergwanderwochende für Frauen

 

 

Ich bin dann mal weg……

 

... so oder ähnlich wird sich die eine oder andere von uns am Morgen von der Familie verabschiedet haben. Schnell noch putzen, aufräumen, Whats apps schreiben, die Welt retten und dann endlich los ins Frauenwanderwochenende.

Zutaten für ein Frauen-Wanderwochenende im Ostallgäu:

  • 24 unternehmungslustige Frauen im Alter von 25 bis 58 und ein Mann
  • 5 Fahrerinnen mit sportlich ambitioniertem Fahrstil
  • Kompetentes Leitungsteam
  • Wanderwege im Naturschutzgebiet „Ammergebirge“
  • Konstante Hochdruckwetterlage
  • Verwöhnfrühstück am Morgen und reichhaltiges Buffet am Abend
  • Last but not least our special guests: Andi und Birgit Rominger


Alles zusammen ergibt ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art. Doch jetzt der Reihe nach:

 

 

Tag 1

Am Freitag, den 29.06.2018 trafen wir uns pünktlich um 13:15 Uhr am Gemeindehaus Neubulach, um von dort gemeinsam zu starten. Bester Laune und voller Vorfreude bildeten wir zügig Fahrgemeinschaften und verteilten unser Gepäck auf die Autos. Spätestens mit dem Brummen der Motoren ließen wir die Hektik und Anspannung des Vormittags hinter uns. Dass wir schon bald nach dem Start im Stau auf der A81 ausgebremst wurden, tat der Stimmung keinen Abbruch. Was für Männer eher ein Ärgernis darstellt, ist für Frauen ein durchaus nützlicher Umstand (wer länger fährt, hat mehr Zeit zum Reden…). So ergab sich für einige von uns schon im Auto die Gelegenheit, sich näher oder neu kennenzulernen. Das wurde dann noch vertieft während der Vorstellungsrunde im gemütlichen Gemeinschaftsraum des Karl-Eberth-Hauses. Für Reingeschmeckte (auch die soll es geben) die einmalige Gelegenheit, zu bereits bekannten Gesichtern die Namen zu erfahren. Zuvor hatten wir unsere 2-Bett-Zimmer bezogen und ein ausgiebiges Abendessen genossen. Da wir am nächsten Morgen recht früh (aus der Sicht von Eulen) zu unserer Tageswanderung aufbrechen wollten, hatte auch der schönste Abend irgendwann ein Ende.


Tag 2:

Sowohl „Eulen“ als auch „Lerchen“ erschienen am nächsten Morgen pünktlich um 7:30 Uhr im Frühstücksraum - natürlich in voller Wanderausrüstung und mit gepackten Rucksack. Uns erwartete ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und es gab ein fröhliches Wiedersehen mit Andreas und Birgit Rominger. Der Blick aus dem Fenster verhieß nur Gutes: Blauer Himmel, einige wenige Wolken, beste Wettervoraussetzungen für unsere Wanderung. Als ortskundiger und erfahrener Bergwanderer übernahm Andreas selbstverständlich und routiniert die Rolle des Guides und erläuterte den Tagesablauf: Anfahrt mit den Privat-PKWs zum Wanderparkplatz im Naturschutzgebiet Kenzenhütte. Von dort mit Shuttle-Bussen hinauf zur Kenzenhütte, dem Aufgangs- und Zielpunkt der 5 stündigen Kesselwanderung. Schon während der halbstündigen Fahrt mit dem Shuttle-Bus beeindruckte uns die Berglandschaft nach jeder neuen Kurve. Wer hier eine fachkundige Aufzählung der Gipfel erwartet, wird leider enttäuscht, wir waren zu sehr mit Schauen und Staunen beschäftigt. An der Kenzenhütte gab es noch den obligatorischen Toiletten-und Fotostop, bevor wir uns dann auf den Weg machten. Andi ermahnte uns, den Weg nicht zu schnell anzugehen und gab das Tempo vor. Allmählich fand jeder sein eigenes Tempo. Je nach Steigungsgrad und Anstrengung verstummten die Gespräche und es gab auch ganz bewusste wohltuende Momente der Stille und Andacht. Paul Gerhardts Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ beschreibt das Gefühl der Verbundenheit mit der Schöpfung und dem Schöpfer, der uns diese Natur zu Füßen legt, an der wir uns freuen dürfen und in der wir auftanken können. Zwischen 1300 und 1750 Meter Höhe wurden wir immer wieder mit beeindruckenden Panoramablicken auf die umliegenden Berggipfel belohnt. Auf dem höchsten Punkt der Wanderung machten wir Mittagsrast. Nachdem jede(r) ein bequemes Plätzchen gefunden hatte, wurden T-Shirts gelüftet, Äpfel oder Müsliriegel ausgetauscht und so manches Apfelschorle zischte angesichts des niedrigeren Luftdrucks. Wir lernten auch mancherlei Nützliches; z. B. wie man Bergschuhe richtig schürt und dass man abgeklappte Schuhsohlen notdürftig mit Panzertape retten kann. Nach dem zeitweise mühsamen Aufstieg folgte der nicht minder anstrengende Abstieg und spätestens jetzt zahlte es sich aus, Wanderstöcke dabei zu haben. Ein „Gipfelteam“ um Andi setzte sich ab, um noch schnell den Grubenkopf zu erklimmen, während die „Genießertruppe“ zur Kenzenhütte abstieg, um sich am Wasserfall oberhalb der Hütte die Füße zu kühlen. Was wäre ein perfekter Wandertag ohne Hütteneinkehr und so ließen wir uns den Kaffee und selbstgebackenen Kuchen auf der wunderschönen Hüttenterrasse schmecken, bevor es dann wieder mit dem Shuttle-Bus talabwärts ging. Zurück im Karl-Eberth-Haus und nach absolviertem Duschprogramm konnten wir nach Herzenslust im Garten chillen, während das Abendbuffet im hauseigenen „Biergarten“ schon auf uns wartete. Den späteren Abend verbrachten wir an einem nahegelegenen See. Andi berichtete von seinem 3-monatigen Einsatz als Militärseelsorger im Nordirak. Anhand von Bildern und Erzählungen bekamen wir einen kleinen Einblick in die Aufgaben eines Militärseelsorgers und in den Alltag der stationierten Soldaten. Wir konnten ein wenig erahnen, was es bedeutet, ständig Gefahren ausgesetzt und zusätzlich von Familie und Heimat getrennt zu sein.


Tag 3

An diesem Tag war Flexibiliät gefragt. Da die ursprünglich geplante Wanderung auf dem Buchenberg wegen eines Trachtenfestes nicht stattfinden konnte, entschlossen wir uns für die Alternative Tegelberg. Mit der Bergbahn fuhren wir auf die Bergstation um von dort den kurzen Aufstieg zum Gipfel zu wagen. Das letzte Stück (mit Seil gesichert und durch Fels) bot Spaß für Kletterfreaks, während weniger Mutige unterhalb des Gipfels warteten. Der anschließende 3 1/2 stündige Abstieg (knapp 1000 Höhenmeter) schlängelte sich idyllisch an den Berghängen entlang und bot nach jeder Kurve eine neue Perspektive. Dieses Mal konnte man nach Herzenslust den Blick schweifen lassen ohne Gefahr zu laufen, über eine Baumwurzel zu stolpern. Trotz längerer Pause in einem idyllisch gelegen Waldcafe fühlte irgendwann jede den Muskelkater in den Beinen, und so manche Blase zwickte im Wanderschuh. Ein Highlight stand noch aus: Der Blick von der Marienbrücke zum Schloss Neuschwanstein. Spätestens hier endete die Einsamkeit und wir mussten uns den Blick auf das Weltkulturerbe mit vielen Touristen aus aller Welt teilen. Wer hat an der Uhr gedreht ist es wirklich schon so spät? Wir wurden im Ort Schwangau von unseren Fahrerinnen abgeholt, die zuvor mit Andi den 3 Km langen Fußweg zum Parkplatz zurückgelegt hatten (vielen Dank dafür). Der Abschied war kurz und aber sehr herzlich und jede hätte die die Zeit noch gern ein bisschen angehalten.


Das Wochenende mit den vielen Eindrücken, Begegnungen, Gesprächen, körperlichen Anstrengungen hat noch lange nachgewirkt und das nicht nur in Form eines heftigen Muskelkaters.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich beim Organisationsteam, den Fahrerinnen und Andreas und Birgit Rominger für Ihren Einsatz und Ihr Engagement bedanken. Wir freuen uns schon auf das (hoffentlich) nächste Frauenwanderwochenende. Wir sind dann mal wieder weg….

 

Christiane Danisch, Annette Dürr und Corinna Rentschler.