Bergwochenende 6. bis 8. Juli 2019

Einmal im Jahr heißt es: Männervesper "on Tour".

Dieses Jahr ließen sich 16 Männer aus unserer Kirchengemeinde und darüber hinaus einladen um "Gottes Schöpfung zu bestaunen, die Seele baumeln zu lassen, den Körper zu erfahren, miteinander ins Gespräch zu kommen - und natürlich: gemütliches Zusammensein unter Männern". So das Motto unserer Bergwochenenden. Und so ging es diesmal in die Bergwelt um die Lindauer Hütte bei Schruns im Montafon.

Um den großen Verkehrsaufkommen freitags und sonntags auszuweichen starteten wir dieses Jahr einen Versuch und führten das "Wochenende" von Samstag bis Montag durch. Und: die Rechnung ging auf! Stau frei ging es am frühen Samstagmorgen bei bestem Sommerwetter bis nach Latschau im vorderen Montafon. Dort stellten wir die Autos ab, beluden den bereitstehenden Anhänger mit unserem Gepäck und waren abmarschbereit um 10:30 Uhr an der Talstation der Golmer Bahn um die ersten 900 Höhenmeter bequem per Bergbahn zu bewältigen.

Mit leichtem Tagesrucksack ging es dann auf die 4-Stunden-Tour "Golmer Höhenweg". Gegen 13 Uhr standen wir nach Golmer Joch und Latschätzkopf bereits am 3. Gipfelkreuz und machten Mittagsrast auf der 2261 m hohen Kreuzspitze. Herrlich anzuschauen die unzähligen Blüten und das saftige Grün des Bergfrühlings sowie der traumhafte Blick auf die umliegende Bergwelt des Rätikons und des Brandnertals! Eben: "Gottes Schöpfung bestaunen"! Danach ging es weiter zur Geißspitze mit 2334 m. Ab hier folgte dann der recht anstrengende, sehr steile Abstieg zur Lindauer Hütte auf 1744 m. Nach einer ersten Erfrischung wurden die beiden 8er-Zimmer bezogen und die Stockbetten verteilt. Danach war Zeit, an einem schönen Sommerabend "die Seele baumeln zu lassen". Nach einem reichhaltigen Abendessen (mit Nachschlag!) trafen wir uns im Seminarraum zu einer Vorstellungsrunde und dem geistlichen Impuls. Anschließend vermittelte uns Thomas mit einer beeindruckenden Bildershow Eindrücke aus seiner Reise nach Patagonien/Südamerika. Schnell verging die Zeit und so reichte es gerade noch kurz vor Hüttenruhe um 22 Uhr für die letzte Bestellung.

Für Sonntag war der Durchzug einer sommerlichen Kaltfront mit kräftigen Schauern und Gewittern vorausgesagt. So war schnell klar, daß die geplante Tour zur Sulzfluh über den Klettersteig bzw. über den Normalweg ausfallen musste. Und tatsächlich, auch nach dem Frühstück regnete es noch. Zusammen mit über 100 Bergtouristen warteten wir auf günstigeres Wetter. Bald klarte es auf und die Alternativtour; Umrundung des Bergmassives mit Drusenfluh und Drei Türme; schien möglich. So machten sich die 16 Mann in Richtung "Schweizer Tor" auf. Bei der Oberen Spora-Alpe legten wir eine kurzen Stopp ein um einen Impuls von Markus auf zu nehmen, sangen noch ein Lied und zogen weiter bergwärts. Das Wetter wurde zunehmend besser und bald floss wieder der Schweiß. Wunderschön, der Blick zurück ins Gauertal und auf die Wolken, die der Wind um die Berggipfel bließ. Die Zwischenrast auf dem Öfapass (2291 m) fiel wegen des kalten Windes nur kurz aus und über letzte Schneefelder ging es hinunter zur Zollhütte am Schweizer Tor. Jetzt waren wir in der Schweiz angelangt! Über eine Leiter und schmale Pfade im Geröll ging es an der Südflanke der Drusenfluh entlang. Hier war Trittsicherheit gefragt. Belohnt wurden wir mit wunderschönen Ausblicken über die Almenlandschaft des Rätikons unter einzigartigen Wolkenformationen. Die Sonne lud zu einer kurzen Mittagspause zwischen Felsblöcken ein. Danach ging es weiter um das Massiv herum in Richtung Drusentor. Plötzlich schlug das Wetter um und wir gerieten in einen kräftigen Regenguß mit Blitz und Donner. Wohl dem, der einen guten Regenschutz noch rechtzeitig anzog. Doch bald kam wieder die Sonne heraus und trocknete die nassen Sachen im Gehen. Nun ging es steil hinauf zum Drusentor auf 2343 m. Weit zog sich die Gruppe auseinander und so mancher konnte "seinen Körper erfahren". Zwischenzeitlich sprach sich herum, dass es auf der Lindauer Hütte nur bis 15 Uhr frischen Apfelstrudel gäbe. Grund genug für einige, das Abstiegstempo zu erhöhen...

Über steile Schneefelder und viel Geröll erreichten wir trocken die Lindauer Hütte - bis auf die beiden Letzten, die wurden nochmals von einem kräftigen Schauer kurz vor dem Ziel überrascht. Von da an regnete es anhaltend.

Das Abendessen fiel an diesem Abend dürftig aus - aber es gab guten Nachtisch! Lange saß man noch an den Tischen zusammen und unterhielt sich oder diskutierte über "Gott und die Welt" bis es hieß "Hüttenruhe - letzte Bestellung". Eben: "gemütliches Zusammensein unter Männern".

Montagfrüh hieß es nach dem Frühstück "Packen" und "Abmarschbereit um 8:30 Uhr". Wieder mussten wir das Ziel "Sulzfluh" aufgeben. Zu naß und damit zu gefährlich war der Fels. Schade für diejenigen, die sich auf den Klettersteig mit all seinen Herausforderungen gefreut hatten. Aber so ist es halt in den Bergen - Sicherheit geht vor. Also machten wir uns an den Abstieg. Davor gab Kurt noch ein beeindruckendes Zeugnis und einen Impuls auf den Weg. Aber was heißt Abstieg? Es ging steil hoch in Richtung Bilkengrat (ca. 2100 m). Von dort ging es der Bergflanke entlang durch herrliche Alpenrosenhänge und hochmoorartigem Gelände zur Alpila-Alpe auf 1686 m. Gelegenheit, beim Gehen "miteinander ins Gespräch zu kommen". Bei einer kurzen Rast freute sich der Senner über den Absatz an Bergkäse und Getränken. Danach erfolgte der steile Abstieg zunächst über Almwiesen danach durch Bergwald in Richtung Gauertal und Latschau zu den Autos. Unser Gepäck war vereinbarungsgemäß deponiert. Kaum waren wir zum abschließenden Mittagessen im Gasthof "Sulzfluh" in Latschau angekommen, setzte auch schon Regen ein...

Nach einem reichhaltigen Essen "à la Carte" war es Zeit, sich zu verabschieden. Zur Erinnerung erhielt noch jeder den Bibelvers aus 2. Samuel 22,31 der Grundlage für die Impulse war: Gottes Wege sind vollkommen. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Es war eine tolle Truppe und eine richtig gute Zeit am Berg - und: entgegen allen schlechten Wettervorhersagen hatten wir, so empfanden es alle, "gutes Wetter". Ist das nicht ein Wunder?

Text: Hermann Rentschler
Bilder: Thomas Braun